Bionic Reading® – die ZHAW-Studie zur Behaltensleistung.

Die ZHAW hat Bionic Reading® mit Eyetracking untersucht. Behaltensleistung: 11,75 gegen 9,83 Punkte, 19,5 Prozent mehr. Der vollständige Bericht steht zum Download bereit.

Bionic Reding® Licensing
Bionic Reding® Licensing

Gemessen, nicht behauptet.

2022 hat die ZHAW, Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Bionic Reading® am IUED Institut für Übersetzen und Dolmetschen mit Eyetracking untersucht. Gefördert wurde das Projekt von Innosuisse, der Schweizerischen Agentur für Innovationsförderung.
Das Ergebnis, auf das es ankommt, betrifft nicht die Geschwindigkeit. Es betrifft, wie viel die Lesenden behalten haben.

Die entscheidende Zahl.

Wer den Bionic Reading®-Text las, erreichte im Verständnistest 11,75 Punkte. Wer denselben Text in normaler Schrift las, erreichte 9,83 Punkte.
Das sind 19,5 Prozent mehr. Die Highlights-Präsentation der ZHAW bezeichnet dieses Ergebnis als «deutlich besser».

Was die Studie nicht gefunden hat.

Die Lesegeschwindigkeit lag bei 191,28 Wörtern pro Minute mit Bionic Reading® und bei 189,14 ohne. Die Studie fand keinen signifikanten Unterschied, und wir behaupten auch keinen.
Bionic Reading® wird oft als Methode beschrieben, mit der man schneller liest. Das ist nicht, was gemessen wurde, und es ist nicht, wofür die Methode gedacht ist. Das Auge wird geführt, dem Gehirn wird ein Teil des Entzifferns abgenommen, und was dadurch frei wird, fliesst ins Verstehen. Die Lesenden rasen nicht durch den Text. Sie behalten mehr davon.

Was das Eyetracking nahelegt.

Die durchschnittliche Anzahl Fixationen war bei den Bionic Reading®-Texten deutlich höher als beim normalen Text. Das könnte darauf hindeuten, dass die Methode die Informationsaufnahme verändert.
Die ZHAW hält ausdrücklich fest, dass dies auch eine rein zufällige Verteilung sein könnte, weil keine zwei Eyetracking-Datensätze pro Testperson vorliegen. Es muss in weiteren Untersuchungen bestätigt werden.

Was Gewöhnung braucht.

58 Prozent der Testpersonen fiel die Textauszeichnung zu Beginn des Lesens deutlich bis stark oder als «komisch» auf. Bei 42 Prozent aller Testpersonen fand während des Lesens eine Gewöhnung statt, bis es ihnen nicht mehr auffiel, bei weiteren 17 Prozent eine leichte Gewöhnung.
Wir sagen das offen, weil es zu dem passt, was uns Lesende berichten: Bionic Reading® wirkt nicht auf den ersten drei Zeilen. Das Auge braucht ein paar Texte, bis es sich auf die Fixationspunkte eingestellt hat.
Von den Testpersonen, die eine Veränderung ihres Leseverhaltens bemerkten, beschrieben 71 Prozent sie positiv – fliessenderes Lesen, weniger Reread und teilweise gleiches oder besseres Erschliessen des Textes

Wie die Studie durchgeführt wurde.

Zwölf Bachelor-Studierende der Angewandten Linguistik an der ZHAW, rekrutiert, weil sie regelmässig anspruchsvolle Texte am Bildschirm lesen. Elf Frauen, ein Mann. Januar und Februar 2022, im Usability-Labor in Winterthur.
Jede Testperson las zwei Texte, einen mit Bionic Reading® aufbereitet und einen im Original, einen am Desktop-PC und einen auf dem Tablet. Alle Parameter wurden randomisiert. Nach jedem Text wurden acht inhaltliche Fragen mündlich beantwortet. Das Lesen wurde per ScreenRecording aufgezeichnet, am Desktop-PC zusätzlich die Blickbewegungen mit einem stationären Eyetracker.

Die ZHAW bezeichnet diese Arbeit als Vorstudie, in der «einige Anhaltspunkte» gefunden wurden, dass Bionic Reading® die Informationsverarbeitung verbessern kann. Wir zitieren das so, wie es dort steht.

Projekt: «Leseeffizienz messen: Bionic Reading + Eyetracking»
Autorinnen und Autoren: Birgit Fuhrmann, Martin Schuler, Felix Steiner
Institution: ZHAW IUED Institut für Übersetzen und Dolmetschen
Förderung: Innosuisse, Innovationsscheck Nr. 58811.1 INNO-ICT
Abschluss: 23. März 2022, Abschlussbericht 8. April 2022

Was diese Studie nicht abdeckt – und was als Nächstes kommt.

Die zwölf Testpersonen hatten weder ADHS noch Legasthenie oder Dyslexie und auch keine andere Beeinträchtigung, die das Lesen erschwert. Alles auf dieser Seite wurde mit Menschen gemessen, die ohnehin gut und viel lesen.
Von unseren Leserinnen und Lesern hören wir etwas anderes. Menschen weltweit mit ADHS und mit Legasthenie beschreiben eine deutliche Verbesserung beim Lesen und beim Verständnis von Texten, die in Bionic Reading® gesetzt sind. Diese Rückmeldungen stammen aus der Praxis und nicht aus dieser Studie, und wir halten beides bewusst auseinander.
Die ZHAW schlägt selbst vor, genau diese Lücke zu schliessen. In ihrem Ausblick nennt der Abschlussbericht eine Untersuchung mit einer anderen Zielgruppe – «insbesondere bei Menschen mit Beeinträchtigungen, die das Lesen erschweren, wie etwa Dyslexie oder Legasthenie» – als die Forschungsfrage, die aus dieser folgt. Empfohlen wird ausserdem eine langfristig angelegte Studie zum Gewöhnungs- und Trainingseffekt.
Das ist unser nächster Schritt. Bei der Gruppe, die Schwierigkeiten beim Lesen hat, sehen wir den grössten Effekt – und für sie gibt es bisher keine Messung.

Downloads.

Veröffentlicht mit Einverständnis der ZHAW. Zitierweise: Fuhrmann, B., Schuler, M., Steiner, F. (2022): Leseeffizienz messen: Bionic Reading + Eyetracking. ZHAW IUED Institut für Übersetzen und Dolmetschen, Winterthur. Innosuisse Innovationsscheck 58811.1 INNO-ICT.

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Europäische Kommission.

Ab Juni 2025 wird der Europäische Rechtsakt zur Barrierefreiheit in vollem Umfang in Kraft treten und gleiche Zugänglichkeit für alle gewährleisten. Bionic Reading® unterstützt diese Initiative und hilft Menschen mit neurodiversen Problemen wie ADHS, Legasthenie und anderen Lese-Barrieren.

Weitere globale Konventionen.

Für eine aktive Teilnahme in unserer heutigen Gesellschaft ist ein Lese- und Textverständnis unabdingbar. Hier findest Du weitere Links zu internationalen Konventionen.

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